Mieterportraits

Rendez-vous

Die Talentierten
Rendez-vous No. 8

Ein grosser Raum mit vielen Pflanzen, eine Lounge mit Sessel und Sofas, grosszügig verteilte Tische, Speisen für die Seele und auffallend freundliche Bedienung: Das Silo ist eine echte Bereicherung fürs Erlenmatt-Ost-Quartier. Hier führen junge Gastroprofis ein Restaurant und das erste Boutique Hostel der Schweiz.

Das Beste aus der Situation herausholen

Dieses Rendez-vous findet in einer Zeit statt, in der die Restaurants in Basel geschlossen sind. Und so empfängt Christian Bossard, Geschäftsführer des Silos, die Interviewerin im leeren Restaurant. Die Kaffeemaschine bleibt ausgeschaltet. Aber in der Küche wird gearbeitet. Denn gerade während der Pandemie brauchen die Menschen «Soulfood». Genau das wird hier zubereitet.

Bossard und sein Team haben nach der Schliessung der Basler Restaurants im November 2020 sehr schnell auf Take-away umgestellt. Mit Unterstützung der Stiftung Habitat kann das Silo ein Mittagessen und eine Auswahl an Abendmenus zu sehr günstigen Preisen anbieten. Die Aktion kommt im Quartier sehr gut an, besonders bei Studierenden und Berufstätigen, von denen viele zu Hause im Fernunterricht oder im Home Office sitzen. Die Coronakrise ist für das Silo eine Chance, kreativ zu werden und Neues auszuprobieren. Zum Beispiel Online-Kochkurse auf Zoom oder Cocktails und hausgemachte Limonaden im Take-away.

Gerade in der Gastronomie ist es für junge Berufsleute nicht selbstverständlich, solche Ideen in eigener Verantwortung lancieren und einfach ausprobieren zu können. Im Silo gehört genau das zum Konzept: Es ist ein so genannter Talentbetrieb. Hier arbeiten ausschliesslich junge Menschen aus der Region Basel mit einer Berufsausbildung in der Gastrobranche und höchstens drei Jahren Berufserfahrung. Im Silo können sie zwei Jahre bleiben, danach müssen sie weiterziehen. «Das ist für die Gastronomie eine lange Zeit», sagt Geschäftsführer Christian Bossard. Vor allem die erste Stelle nach der Ausbildung sei oft sehr hart. Das Silo schafft ein Umfeld, in dem die jungen Fachleute Verantwortung übernehmen und weiterlernen können.

Im Alltag selber entscheiden

Zum Beispiel dank der flachen Hierarchie im Betrieb. Es gibt nur das Leitungsteam aus Geschäftsführer Christian Bossard, Küchenchef Mike Graf und Servicechefin Magdalena Klotz. Wenn die drei nicht da sind, muss das Team den Betrieb am Laufen halten und alles autonom entscheiden. Das ist in der Branche unüblich. «Wir brauchen Leute, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen und sich zu beweisen. Das ist die Stärke des Silos», ist Christian Bossard überzeugt.

Lanciert wurde die Idee des Talentbetriebs von der Stiftung Habitat und dem Verein TALENT für Hotellerie und Gastronomie, zu dem sich engagierte Gastronomen in Basel im Sommer 2019 zusammengeschlossen hatten. Der Verein gründete auch die SILO by Talent GmbH, die das Silo führt.

Kurz darauf wurde Christian Bosshard angefragt, für drei Jahre die Geschäftsleitung des Silos zu übernehmen: «Ich erhielt eine grüne Wiese, oder besser gesagt ein tolles Gebäude, für das ich ein inhaltliches Konzept entwickeln durfte.» Es gab nur zwei Vorgaben: Der Betrieb soll selbsttragend arbeiten und Nachwuchstalente fördern. Am 1. Dezember 2019 trat Bossard seine Stelle an, im Januar stand das Konzept für ein Boutique-Hostel mit Soulfood-Restaurant. Als Erstes rekrutierte er Mike Graf und Magdalena Klotz, danach den Rest des elfköpfigen Teams, in dem Bossard mit 29 der Älteste ist. Im Team sind Köche und eine Köchin, Service- und Hotelfachfrauen.

Learning

Bereits am 1. April 2020 fand die Schlüsselübergabe statt – mitten im Lockdown der ersten Corona-Welle. Mitte Mai öffnete das Silo schliesslich seine Türen für die Gäste. Seither lautet das Motto: Learning by Doing. «Wir sind dadurch als Team zusammengewachsen», sagt Bossard. «Und wir hatten Glück, dass das Quartier uns über den Sommer sehr  gut aufgenommen hat.» Auch von der Stiftung Habitat und dem Verein TALENT fühlt er sich unterstützt.

Christian Bossards Ziel ist es, dass bald mehr Menschen aus der ganzen Stadt ins Silo kommen. «Das Silo ist ein Treffpunkt fürs Quartier, für die Stadt – und mit dem Hostel für die ganze Welt.» Und die Welt wird kommen, irgendwann, wenn die Pandemie vorüber ist: «Die Aussichten sind gut», sagt Bossard. «Die Menschen werden wieder reisen und auswärts essen gehen, die Firmen werden wieder Sitzungen und Seminare durchführen.» Wenn es soweit ist, sind Christian Bossard und sein Team bereit.

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