Aktienmühle

Aktienmühle

Über 100 Jahre lang hat die Aktienmühle die Region Basel mit Mehl versorgt – als eine der grössten Mühlen der Schweiz. 2010 kauften wir das verwaiste Areal, um einen Freiraum im Kleinbasler Klybeckquartier zu schaffen. Aus der ehemaligen Mühle wurde ein Werkstatthaus, in dem heute auf 3'600m² über 50 Betriebe tätig sind. Ins Pförtnerhaus sind soziale Angebote für Kinder und junge Frauen sowie ein Ladencafé eingezogen. Ein Gartenrestaurant, Kreativateliers und ein öffentlicher Innenhof machen das ehemalige Industrieareal zu einem lebendigen Ort.

Ein ganzes Areal

Was wir Aktienmühle nennen, ist eigentlich ein Gebäudeensemble mit Innenhof: Das gut sichtbare Pförtnerhaus an der Gärtnerstrasse erschliesst das Areal. Es enthielt früher neben Büros auch die Wohnung des Direktors – viele erhaltene Details erzählen noch davon. Heute finden sich dort der «Spielboden Klybeck», das Interkulturelle Foyer Bildung & Beruf der Institution «FoyersBasel», das Ladencafé «Shöp» und ein Grafikatelier. Das frühere Turbinenhaus wird heute als Restaurant betrieben. Im Sommer führt das Gastroteam auch eine Bar in der offenen Remise im Hof. Im hinteren Teil befindet sich die mächtige ehemalige Mühle, die wir zum Werkstatthaus umgebaut und umgenutzt haben. Zwischen den Gebäuden erstreckt sich der grosszügige Hof.

Freiraum für das Klybeck

Bereits mit der Zwischennutzung von 2010 bis 2016 wollten wir in dem dicht bebauten Quartier einen Ort schaffen, wo sich Ideen entwickeln können. Vor allem die Kinder eroberten damals die Aktienmühle und nutzten sie intensiv zum Spielen, Basteln und Erledigen ihrer Hausaufgaben. Manche kamen jeden Tag. Es war klar, dass die Aktienmühle auch nach dem Umbau ein Ort für Kinder bleiben sollte.

Der Hof der Aktienmühle wurde während der Zwischennutzung zum öffentlichen Ort. Auch heute können ihn die Leute aus dem Quartier frei nutzen, wenn das Restaurant geöffnet ist. Mit dem offenen Grill wird der Hof gar zum Quartiergarten. Wer etwas trinken will, holt sein Getränk im Restaurant oder an der Bar. Diese einfache Regel hat sich bewährt.

Blick zurück in die Geschichte

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Europa die ersten wasserkraftunabhängigen Grossmühlen, die nicht nur Getreide aus der Region vermahlten, sondern solches aus Übersee. 1894 schloss sich der Mühlenbetreiber Wilhelm Abt-Bader diesem Trend an und gründete die Aktienmühle Basel AG. 1899 nahm die neugebaute Mühle den Betrieb auf – als eine der ersten grossen Produktionsanlagen im Klybeck. Eine eigene Dampfturbine machte sie unabhängig von der Wasserkraft, und mit dem eigens von der Grossherzoglichen Badischen Bahn gelegten Anschlussgleis war sie optimal an die Verkehrswege angeschlossen. Mühlen und Maschinen wurden stetig erneuert, sodass sich die Leistung auf rund 200 Tonnen pro Tag steigerte, während die Zahl der Mitarbeiter bis im Jahr 2000 von ursprünglich 40 auf acht sank. Trotz dieser Leistungssteigerung musste die Mühle 2002 stillgelegt werden. Nach 108 Jahren wurde am 16. November 2003 das letzte Mal in der Aktienmühle Getreide zu Mehl verarbeitet – und ein bedeutendes Kapitel Basler Industriegeschichte geschlossen.

 

Restaurant Turbinenhaus

MacherSchaft – Offene Werkstatt & Atelier

Loom – Raum für Gewebe & textile Auseinandersetzung

Druckstelle

Spielboden Klybeck

 

Werkstatthaus Aktienmühle

Baujahr

1899

Wilhelm H. Fichter-Liebi und Rudolf Sandreuter

Umbau

2012–2016

Metron AG, Brugg

Nutzung

Werkstatthaus mit 43 Werkstatträumen, gemeinsamer Pausenraum, Lagerfläche, Restaurant im ehemaligen Turbinenhaus
Öffentlicher Hof

Hofgestaltung

2012–2016
Bryum GmbH, Basel

Kontakt

Andreas Müller

Administrativer Bewirtschafter

T +41 61 327 92 26

a.mueller@stiftung-habitat.ch

 

Aleksandar Simov

Technischer Bewirtschafter

T +41 61 327 92 25

simov@stiftung-habitat.ch

Ein Haus für Handwerk und Produktion

Wir wollten die Geschichte des über 100-jährigen Mühlengebäudes als Produktionsstätte weiterschreiben. Deshalb machten wir daraus ein Werkstatthaus für Betriebe aus Handwerk und Produktion. Auch baulich sollte der industrielle Charakter bewahrt werden. Die schönen Stahlstützen und Holzbalken beispielsweise konnten erhalten werden. Eine offene Raumaufteilung macht über 40 Werkstätten von unterschiedlicher Grösse möglich. Erschlossen wird das Gebäude zusätzlich über eine neue Metalltreppe an der Fassade.

 

Die Werkstatträume sind zwischen 40 und 150 m² gross und zweckmässig ausgestattet. Im Keller gibt es Duschen und Garderoben, die alle nutzen können. Auch ein Pausenraum und eine Waschmaschine sind vorhanden. Im Herbst 2016 zogen die ersten Mieterinnen und Mieter ein. Seither wird in der Aktienmühle Kaffee geröstet, Holzofenbrot gebacken und Schnaps gebrannt. Auch mit Holz, Metall, Leder, Textilien und Papier wird gearbeitet. Die Mieterinnen und Mieter schätzen das gute Miteinander. 

 

Öffentliche Kreativangebote

In den öffentlichen Werkstätten der «MacherSchaft» können handwerkliche und kreative Ideen umgesetzt werden. «Loom», der Raum für Gewebe und textile Auseinandersetzung, bietet Kurse und Veranstaltungen an und vermietet Webstühle. Ein besonderer Raum ist auch die «Druckstelle»: Unter kundiger Begleitung können Kinder und Jugendliche hier schreiben und zeichnen, auf alten Druckmaschinen Bilder und Texte drucken und kleine Bücher binden. Viele machen hier ihre ersten Erfahrungen mit gedruckten Medien.

 

Restaurant Turbinenhaus

In den Anfangsjahren der Getreidemühle war das Turbinenhaus sozusagen der Motor des Betriebs: Eine Dampfmaschine trieb über Transmissionsriemen sämtliche Mühlen und Maschinen an. Auch heute erfüllt das Turbinenhaus eine zentrale Funktion: Als Restaurant bildet es den sozialen Treffpunkt für alle, die in der Aktienmühle arbeiten oder zu Besuch kommen. Der schöne, überhohe Raum mit originalen Metallfenstern verströmt «Industrie-Chic». Das Gastroteam unter der Leitung von Christian Lorenz und Simone Fuchs kocht saisonal und kreativ – auch fürs kleine Budget.

 

Restaurant Turbinenhaus

MacherSchaft – Offene Werkstatt & Atelier

Loom – Raum für Gewebe & textile Auseinandersetzung

Druckstelle

Pförtnerhaus

Baujahr

1899

Wilhem H. Fichter-Liebi und Rudolf Sandreuter

Sanierung

2019 – 2020

Grönlandbasel, Basel

Nutzung

Stilles Gewerbe, Ladengeschäft, Angebote für Kinder

Kontakt

Andreas Müller

Administrativer Bewirtschafter

T +41 61 327 92 26

a.mueller@stiftung-habitat.ch

 

Aleksandar Simov

Technischer Bewirtschafter

T +41 61 327 92 25

simov@stiftung-habitat.ch

Stilles Schaffen und wildes Treiben

Das Pförtnerhaus mit der Hofeinfahrt an der Gärtnerstrasse heisst die Besucherinnen und Besucher willkommen und erschliesst das Areal. Im Erdgeschoss hat die Stiftung Öko-Job ein ansprechendes Ladencafé eingerichtet. Daneben ist ein Basler Designbüro eingezogen. Den ersten Stock und einen Teil des Dachgeschosses bewirtschaftet der Verein «FoyersBasel» mit einem Bildungsangebot für junge Frauen. Und im anderen Teil des Dachstocks hat der «Spielboden Klybeck» sein definitives Zuhause gefunden – ein Kinderangebot, das wir schon länger fördern.

 

Aufwendige Sanierung

Von 2019 bis 2020 haben wir das Pförtnerhaus grundlegend saniert. Mit kleinen Umbauten sorgten wir für eine bessere Erschliessung. Zudem wurde das bestehende Orientierungssystem für das ganze Areal vervollständigt. Mit der neuen Stele vor dem Pförtnerhaus ist die Aktienmühle schon von weitem erkennbar. Das Pförtnerhaus wird damit seiner ursprünglichen Aufgabe wieder gerecht. Den Charme des weitgehend erhaltenen Innenausbaus haben wir bewahrt. Das Innere des historischen Gebäudes erstrahlt heute in frischem Glanz.

 

Ein Ladencafé bereichert Areal und Quartier

Mit der schon im Werkstatthaus beheimateten Stiftung Öko-Job konnten wir eine ideale Mieterin für den Laden im Erdgeschoss finden: Die Stiftung bietet stellensuchenden Menschen eine befristete handwerkliche Arbeit in verschiedenen Werkstätten oder in Landschaftsprojekten an. In ihrem neuen Laden kommen eigene Produkte – Textilien, Möbel, Spielzeug und vieles mehr – zum Verkauf. Auch weitere Produkte, die in der Aktienmühle entstehen, werden angeboten. Ein paar Tischchen mit einem kleinen Kaffee- und Kuchenangebot machen den Laden zum Café. Die Leute im Quartier schätzen es bereits.

 

«Spielboden Klybeck» langfristig verankert

Dieses Angebot für kleinere Kinder und ihre Eltern haben wir während der Zwischennutzung lanciert, um die offene Kinderarbeit für grössere Kinder und Jugendliche zu ergänzen. Es funktionierte bereits im unrenovierten Pförtnerhaus gut. Nach der Sanierung konnten wir dem Trägerverein einen besser isolierten und schöner ausgestatteten Spielort zurückgeben. Dank der Entfernung einer Decke haben die Kinder jetzt einen riesigen, luftigen Raum zur Verfügung. Viele kleine Kinder aus dem Quartier kommen regelmässig hierher, manche alleine, andere begleitet von den Eltern. Seine gewollt rohe und wilde Seite hat der «Spielboden» durch den Umbau nicht verloren – die Kinder freuts.

 

Angebot für junge Frauen

Mit dem Verein «FoyersBasel» arbeiten wir schon länger zusammen: Er bietet auf unseren drei Parzellen an der Römer- und Alemannengasse ein umfassendes Angebot für Mädchen in Krisen an. Ein weiteres Angebot für junge Frauen ist im Frühling 2021 in die Aktienmühle gezogen: das Interkulturelle Foyer Bildung & Beruf. Es bietet Migrantinnen und Schweizerinnen zwischen 16 und 25 Jahren eine Tagesstruktur und unterstützt sie bei der Berufsfindung und der selbstständigen Lebensführung.  

 

Spielboden Klybeck

Laden-Café SHÖP

Interkulturelles Foyer Bildung & Beruf