30 Jahre – 30 Orte

Vor 30 Jahren wurde die Stiftung Habitat mit dem Ziel gegründet, bezahlbaren Wohnraum in Basel zu schaffen und zu einer lebenswerten und vielfältigen Stadt beizutragen. In dieser Zeit konnten wir gemeinsam mit anderen engagierten Menschen und Organisationen viel bewegen. Während des Jubiläumsjahrs blicken wir nach und nach mit kurzen Beiträgen auf die 30 Orte, an denen durch unser Zutun Neues entstanden ist und Gemeinschaften gewachsen sind.

 

 

 Gut sitzender Zweireiher

Am Riehenring 189-195 stehen vier 120-jährige Mehrfamilienhäuser. Ein begrünter Hinterhof sowie die vier viergeschossigen Häuser 189a-195a in der zweiten Reihe ergänzen den Ort zu einem stimmigen Ensemble.

 

Insgesamt bieten die 40 Wohnungen mit vielfältigem Wohnungsmix und gut geschnittenen Grundrissen viel günstigen Wohnraum im Kleinbasel. Die noch bis 2027 dauernde tiefgreifende Sanierung und Wohnraumerweiterung in den Dachgeschossen verlangt der hier wohnhaften, bunt gemischten Mieterschaft einiges ab. Aber die Häuser bleiben, was sie schon heute sind: bezahlbarer Wohnraum für Familien mit Kindern, Singles und Paare, junge Menschen sowie Studierende in Wohngemeinschaften.

 

Der neu entstehende Gemeinschaftsraum mit Küche wird nach Fertigstellung auch über eine leicht erhöhte Terrasse zum neu gestalteten und bepflanzten Hinterhof verfügen und so bei jeder Witterung zur Begegnung einladen.

Kleinteiligkeit, Vielfalt und bezahlbares Wohnen

Lysbüchel Süd ist nach Erlenmatt Ost unser zweites Grossprojekt. Auch hier sind wir auf einem ehemals industriell genutzten Terrain mit wesensverwandten Bauträgerschaften – zwölf bestehende oder neugegründete Genossenschaften – unterwegs.

 

Die Verpflichtung dieser Baurechtsnehmenden zu Kostenmiete und limitiertem Flächenverbrauch sorgt für bezahlbares Wohnen, die Vielfalt ihrer und unserer Ziele und Angebote für eine gute Durchmischung und lebendige Nachbarschaften. Der baumbestandene Beckenweg mitten durch Lysbüchel Süd lädt zur Kreidezeichnung, zum Schwatz oder zum Boulespiel.

 

Mit der «Weinlagerstrasse» hat hier geklappt, auf was wir in Erlenmatt Ost vergeblich gehofft hatten: eine Strasse trägt den Namen eines markanten Gebäudes von uns. Aus der Idee «Silostrasse» wurde nichts, bzw. die «Signalstrasse» ...

Ein Hof für alle

An diesem Ort sind für einmal mehr wir Baurechtsnehmende.  Auf einer Parzelle der Einwohnergemeinde Basel konnten wir ein Haus für kinderreiche Familien errichten und gleichzeitig im Erd- und Untergeschoss Platz schaffen für die Bibliothek St. Johann JUKIBU - eine interkulturelle Bibliothek für die ganze Region mit Medien in über 50 Sprachen.

 

Für die Grosshaushalte sind 17 Wohnungen mit 5.5 und 6.5 Zimmern entstanden, ergänzt mit Schaltzimmern und einem Gemeinschaftsraum. Der grosse Innenhof steht auch den Nachbarskindern im Blockrand offen – hier geht die Post ab.

 

Viel gewagt und gewonnen: Die Hüni33 ist heute ein dichtes, lebendiges und anspruchsvolles Haus. Und wahrscheinlich eines der wenigen in Basel, in denen mehr Kinder als Erwachsene wohnen.

Eine Oase für weibliche Jugendliche in schwierigen Lebenslagen

In drei Gebäuden um einen begrünten Innenhof bietet der Verein Foyer Basel ein pädagogisch-therapeutisches Umfeld für Mädchen und junge Frauen.

 

Die 2011 im Baurecht von der Stiftung Habitat erworbene Liegenschaft umfasst eine geschlossene Abteilung mit vier Plätzen, eine offene Wohngruppe mit acht Plätzen sowie eine interne Schule. Jährlich finden hier etwa 80 weibliche Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren Aufnahme und werden bis zu einer geeigneten Anschlusslösung betreut.

 

Das Wohnhaus Theodorsgraben 32, das ursprünglich Teil des Ensembles war und an den Verein für Studentisches Wohnen vermietet ist, gehört übrigens seit 2023 wieder der Stiftung Habitat. Dessen spannende Geschichte werden wir in einem separaten Beitrag erzählen ... 

Ein Areal voller Leben und Inspiration

Auf dem ehemaligen DB-Güterbahnhof entstand mit Erlenmatt Ost ein zukunftsweisender Stadtteil. Das Baurecht und eine orchestrierte Vielfalt waren dabei unsere zentralen Instrumente, um Boden der Spekulation zu entziehen und inhaltliche Fülle zu ermöglichen. 

 

So entstand neuer Wohnraum zu tiefen Mietzinsen, und gemeinsam mit unseren Baurechtsnehmenden stärkten wir die gemeinnützige Baukultur. Das Areal erhielt den Watt d'Or für die Pionierleistung des eigenen Nahwärmenetzes und die gelebte Nachhaltigkeit. Unser Erfolgsgeheimnis? Nicht alles selbst machen, sondern gemeinsam mit wesensverwandten Organisationen unterwegs sein.

 

Wer Raum lässt für Unerwartetes bekommt am Ende ein Hostel im Silo von 1912 oder die inzwischen stadtbekannten Erlenhühner.

«Gässli uff!»

So lautete das Motto zur Eröffnung unserer neuen Geschäftsstelle. Denn gleichzeitig tauften wir die neue Durchwegung, die direkt an unseren Räumlichkeiten vorbei durch das historische Gebäudeensemble führt, in Anlehnung an dessen Geschichte auf den inoffiziellen Namen «Färbergässlein» – heute wird diese Passage rege genutzt. Neben unseren Büros beherbergt die Liegenschaft weitere Büros und drei Wohnungen. Wir haben sie im Baurecht vom Kanton übernommen und umgebaut.

 

Die trapezförmigen Fenster in der neu geschaffenen Passerelle über das Färbergässlein sind keine optische Täuschung, sondern sorgfältig ausgetüftelte kleine Kunstwerke ...

Schöner arbeiten

Ein Jubiläum im Jubiläum: 2016 durften wir nach einer spannenden Zwischennutzung und intensiven Umbauzeit das Werkstatthaus Aktienmühle und das Restaurant Turbinenhaus eröffnen.

 

Zehn Jahre später arbeiten hier über 50 kleinere Handwerks- und Produktionsbetriebe – viele davon mit Lebensmitteln: Kaffee rösten, Brot backen, Gin brennen, fermentieren, Glacé herstellen – alles unter einem Dach. Die «Macherschaft», Mitmachwerkstatt für alle, und die «Druckstelle» für Kinder und Jugendliche erweitern das Angebot um offene Räume für gemeinschaftliche Tätigkeiten.Später kam das ebenfalls sanierte Pförtnerhaus mit dem Spielboden, dem Shöp und weiteren Kleinbetrieben dazu.

 

 Frei nach einem geflügelten Wort: Handwerk ist schön, macht aber viel Arbeit! 

Die Hochburg des Jazz

Unser baulich bisher anspruchsvollstes und gleichzeitig untypischstes Projekt ist der Jazzcampus: eine in eine schmale Altstadtparzelle eingepasste Jazzschule an der Utengasse mit Tonstudios, Performance-Saal und einem öffentlichen Jazzclub.

 

Er bündelt die Aktivitäten der Musikschule Jazz der Musik-Akademie Basel und der Abteilung Jazz der Hochschule für Musik und ist in seiner Art europaweit einzigartig. Hier wurde eine unvergleichliche Lernumgebung geschaffen, in der Lehrende unterrichten, die künstlerisch wie pädagogisch zu den Besten ihres Fachs gehören.

 

Präzises Planen für freies Improvisieren!

Eine wachgeküsste Prinzessin

Unser prächtiges Eckhaus an der Schönaustrasse/Jägerstrasse ist Teil eines 1927/28 von Baumeister Anton Mayer-Trawny errichteten Gebäudes mit zurückhaltenden Art-déco-Elementen, das beim Kauf arg in die Jahre gekommen war. Mit einer sorgfältigen Renovation verliehen wir dem inzwischen im Inventar des Denkmalschutzes eingetragenen Mehrfamilienhaus zeitgemässen Wohnkomfort und liessen sein schöne historische Bausubstanz wieder erstrahlen.

 

Wer hat schon den monumentalen, achtzackigen Stern entdeckt, den wir zur Freude aller Vorbeigehenden an der Brandwand angebracht haben?

Zwei Häuser wenden sich einander zu

Als Teil eines grösseren, nach dem Ideal der Gartenstadt gebauten Areals, konnten wir an der Karl Jaspers-Allee zwei baugleiche, renovationsbedürftige Häuser im Baurecht der Christoph Merian Stiftung übernehmen. Bei der umfangreichen Sanierung 2009 legten wir auch auf den Aussenraum ein besonderes Augenmerk: Neu geschaffene gartenseitige Ein- und Ausgänge im Haus 11/13 verbinden jetzt die Häuser, und ein gemütlicher Gemeinschaftsraum im Haus 5/7 mit Sitzplatz lädt zum Jass oder zum Hausfest ein.

 

Ein Karl Jaspers zugeschriebenes Motto lautet: «Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.» Das sehen wir auch so.

Wohnen, wo früher gearbeitet wurde

Ein schönes altes Fabrikgebäude an der Reichensteinerstrasse sowie ein leerstehendes Bürogebäude und ein Spekulationsbau aus den 1960er-Jahren an der Margarethenstrasse standen gleichzeitig zum Verkauf. Sie boten die Chance auf viel lebenswerten Wohnraum und positive Veränderung. Neben den nötigen Umbauten und Sanierungen konnten wir die Aussenräume verbinden, öffnen und zu einem idyllisch grünen, autofreien Innenhof für Spiel und Begegnung umgestalten.

 

Für jene, die den Ort kennen, ist es keine Überraschung, dass das zum Wohnhaus mutierte Fabrikgebäude an der Reichensteinerstrasse 2013 ins Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen wurde. 

Zuhause üben – "a dream come true" für Musikschaffende

Zwischen 2005 und 2008 konnten wir an der Lothringerstrasse ein kleines Firmenareal und fünf benachbarte Wohnhäuser erwerben – zukünftiger Wohnraum für rund 65 Musikschaffende und ihre Familien! Bis 2010 entstand in unserem ersten Musikwohnhaus und den angrenzenden Häusern in mehreren Schritten sanierter und neu geschaffener Wohnraum. Dazu gehören Wohnungen mit angegliederten Übungsräumen, ein Studio, ein kleiner Konzertsaal, Gästewohnungen, eine Kantine und die Spielhalle Volta.

 

Das Angebot wurde dank grosser Nachfrage zur Blaupause für das Musikwohnhaus 2, aber davon später.

 

Home is where I lay my saxophone ...

Zu Beginn fordernd, heute gut

Ihre turbulente Vorgeschichte sieht man der Wohnüberbauung im St. Johann heute nicht mehr an. Mit unserem ersten Neubauprojekt ergriffen wir die Chance, verschiedene Ideen modellhaft zu verwirklichen: Grosse bezahlbare Familienwohnungen, flexibles Wohnen, Vielfalt und Mitwirkung, soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Bis zum gelungenen Abschluss der Bauarbeiten, sechs Jahre nach dem Kauf der Abbruchliegenschaften, durchliefen wir und alle Beteiligten eine steile Lernkurve. Seit der Fertigstellung vor genau 20 Jahren dabei waren auch ein Kindergarten, die Stiftung lotse, die Hilfe bei der Lehrstellensuche bietet, und die JUKIBU mit Büchern und Veranstaltungen in über 50 Sprachen.

 

Die JUKIBU zog 2019 in unser neu gebautes Familienhaus an der Hüningerstrasse 33 weiter und wurde gemeinsam mit der GGG Stadtbibliothek zur Bibliothek St. Johann JUKIBU.

Der Ursprung einer Idee

Das Haus an der Gasstrasse 18 im St. Johann-Quartier ist ein Meilenstein für uns, denn hier haben wir zum ersten Mal ein Haus für einen spezifischen Bedarf erworben. Wir wollten günstigen Wohnraum für alleinerziehende Familien schaffen, die es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer haben. Damit entstand die Grundlage für unser heutiges Engagement und für das System der individuellen Mietzinsbeiträge.

 

Im Laufe der Jahre konnten wir mit den Hausnummern 20 und 14 zwei weitere Häuser aus demselben, inzwischen im Inventar schützenswerter Bauten aufgeführten Ensemble von 1922 erwerben.

 

Die Gruppe Alleinerziehender, die den Anstoss zum Kauf gab, zog übrigens nie ein ... 
 

Auftakt im Kleinbasel

Rund zwei Jahre nach der Gründung durch Beatrice Oeri, Andreas Maier und Francois Fasnacht konnte die Stiftung Habitat an diesem Ort im Kleinbasel ihre allerersten Häuser erwerben. Mit diesen beiden im Hof angrenzenden Parzellen und den zwei Wohnhäusern aus den 1950er-Jahren nahm der Stiftungszweck Form an. 2012 führten wir an der Haltingerstrasse 80 unsere erste Sanierung im bewohnten Zustand durch. 2023 folgte die Sperrstrasse 91/91a. Zudem liessen sich im ehemaligen Gewerbebau im Hinterhof vier Minimaisonettes unterbringen – ein Novum in unserem Liegenschaftsbestand. In diesen Raumwundern lässt sich alles Nötige perfekt organisieren.

Hier werden Menschen auf 37m² glücklich.